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ante portam paradisi: Narrative Funktionen und historische Kontexte mönchischer Liturgie im Brandan-Corpus

Abstract

Der Beitrag untersucht die narrativen Funktionen liturgischer Episoden im Brandan-Corpus. Im Zentrum stehen die lateinische Navigatio sancti Brendani abbatis und ausgewählte volkssprachliche Fassungen (12. – 15. Jh.), die liturgische Handlungen in unterschiedlicher Weise reflektieren und funktionalisieren. Während die Brandan-Forschung einzelne liturgische Motive bis-lang zumeist nur oberflächlich berücksichtigt hat, zeigt der Beitrag, dass sie in den untersuchten Texten wesentliche narrative Funktionen entfalten. In ihm werden erzähltheoretische Analysen mit liturgiehistorischen Kontextualisierungen verbunden. Anhand ausgewählter Episoden wird aufgezeigt, wie liturgische Szenen Transzendenz evozieren, Räume semantisieren und erzählte Zeit strukturieren. Zugleich eröffnet die erzählerische Verarbeitung von Liturgie Reflexionsräume über ihre Bedeutung für das (mönchische) Lesepublikum. Der Vergleich zwischen der lateinischen Navigatio und den volkssprachlichen Bearbeitungen des Stoffes macht divergierende Rezeptionshorizonte sichtbar: Während die Navigatio ein liturgisch durchformtes Mönchsideal entwirft, verlagern die Reise-Fassungen den Fokus auf affektive Einzelszenen, rücken die materiellen und sinnlich wahrnehmbaren Aspekte der Liturgie in den Vordergrund und adressieren auf diese Weise stärker ein laikales Publikum. Die Studie eröffnet Perspektiven für eine liturgiehistorisch informierte Analyse vormoderner Texte und markiert ein methodisches Desiderat in der Erforschung hagiographischer Erzählungen.

Schlagwörter

St. Brendan/Brandan, Liturgie, Stundengebet, Eucharistie, Mönchtum

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